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#KWS #Lectures: Das eherne Gesetz der #Gleichschaltung
#Gütersloh, 19. September 2026
In einer #Diktatur ist Gleichschaltung einfach. Sie wird angeordnet. #Zeitungen berichten dasselbe, #Institutionen vertreten dieselbe #Linie, #Organisationen werden auf #Kurs gebracht, #Abweichler #ausgeschaltet. Es gibt einen #Gleichschalter.
In einer freien Gesellschaft ist das komplizierter. Und vielleicht interessanter.
Denn auch dort lässt sich beobachten, dass sich #Meinungen, #Institutionen, #Produkte, #Medien, #Unternehmen und gesellschaftliche #Milieus einander angleichen können – ganz ohne zentrale Anweisung. Niemand muss morgens einen Befehl ausgeben. Niemand muss überhaupt beabsichtigen, dass am Ende alle ungefähr dasselbe tun.
Sie tun es trotzdem.
Man könnte das in Anlehnung an Robert Michels das »Eherne Gesetz der Gleichschaltung« nennen.
#Michels formulierte Anfang des 20. Jahrhunderts sein berühmtes »Ehernes Gesetz der #Oligarchie«. Seine These: #Organisationen entwickeln – so demokratisch sie auch organisiert sein mögen – aus ihrer eigenen Funktionsweise heraus eine Tendenz zur #Herrschaft weniger. Organisation erzeugt Führung, Führung erzeugt Informationsvorsprünge und Machtvorsprünge, diese stabilisieren wiederum die Führung. Die Oligarchie muss niemand anordnen. Sie entsteht aus der Organisation selbst.
Bei der Gleichschaltung könnte es ähnlich sein.
#Menschen beobachten andere Menschen. #Unternehmen beobachten #Wettbewerber. Medien beobachten Medien. #Parteien beobachten Umfragen. Kulturbetriebe beobachten Förderinstitutionen. Verwaltungen beobachten andere Verwaltungen. Wer erfolgreich erscheint, wird kopiert. Wer vom Erwartbaren abweicht, muss sich erklären. Wer anschlussfähig ist, hat es leichter.
Aus tausend kleinen, für sich genommen vernünftigen Anpassungen entsteht etwas, das niemand beschlossen haben muss: #Konvergenz.
Das Interessante daran ist gerade die #Abwesenheit einer #Verschwörung.
Der einzelne Akteur sagt nicht: »Ich möchte zur Gleichschaltung der Gesellschaft beitragen.« Er möchte keinen Ärger. Er möchte dazugehören. Er möchte seine Förderung behalten. Er möchte gewählt werden. Er möchte verkaufen. Er möchte nicht als Sonderling gelten. Er möchte das machen, was anderswo funktioniert hat.
Und alle anderen denken ähnlich.
So entsteht aus Anpassung weitere #Anpassung.
Die #Naturwissenschaften kennen selbstverständlich keine gesellschaftliche »Gleichschaltung« in diesem Sinne. Aber sie kennen Prozesse, die als #Analogien oder #Isomorphien interessant sind. Homöostatische Systeme tendieren zur #Stabilisierung bestimmter #Zustände. In der #Statistik ist die Regression zur Mitte die #Tendenz extremer #Messwerte, bei erneuter Messung näher am #Mittelwert zu liegen. Gesellschaftlich sind das keine identischen Mechanismen. Aber das Bild ist verführerisch: Das System zieht zur Mitte.
Auch gesellschaftlich besitzt die Mitte eine enorme #Gravitationskraft.
Was viele sagen, gilt irgendwann als vernünftig. Was als vernünftig gilt, wird häufiger gesagt. Was häufiger gesagt wird, wird vertrauter. Was vertraut ist, erscheint normal. Und sobald etwas normal geworden ist, muss nicht mehr das Normale begründet werden, sondern die Abweichung.
Dann heißt das Ergebnis nicht Gleichschaltung.
Es heißt »#Zeitgeist«.
Oder »Common Sense«.
Oder »Öffentliche Meinung«.
Oder schlicht: »Das sieht man heute eben so.«
Gerade diese #Harmlosigkeit macht den Mechanismus interessant. Denn eine staatlich angeordnete Gleichschaltung ist sichtbar. Man erkennt den Befehl, den Zensor und die Sanktion. Eine selbstorganisierte Gleichschaltung besitzt keinen solchen Mittelpunkt. Jeder einzelne Beteiligte kann vollkommen plausibel erklären, warum er genau das tut, was er tut.
Und trotzdem machen am Ende erstaunlich viele dasselbe.
Das lässt sich selbst am #Supermarktregal beobachten. Dort scheinen Tausende Produkte grenzenlose Auswahl zu versprechen. Tatsächlich unterscheiden sich viele nur innerhalb eines erstaunlich engen Korridors. 20 #Müslis, 12 #Gouda Varianten, 30 Pastasaucen. Die Zahl der Produkte wächst, während die grundsätzlichen Unterschiede zwischen ihnen erstaunlich klein bleiben können.
Niemand hat beschlossen, dass das so sein soll. Produzenten optimieren auf Absatz. Händler auf Regalfläche und Umschlag. Verbraucher kaufen Bekanntes. Erfolgreiches wird kopiert, Erfolgloses ausgelistet.
Am Ende steht ein 6 Meter langes Regal und verkündet: Hier steht dir die Welt offen.
Tut sie nicht.
Vielleicht ist das sogar das Grundmuster: Systeme beginnen mit #Vielfalt und entwickeln anschließend #Mechanismen, die diese Vielfalt wieder reduzieren.
Der Markt konzentriert Anbieter und standardisiert Produkte. Organisationen konzentrieren Macht. Institutionen entwickeln Routinen. Gruppen entwickeln Normen. Öffentlichkeiten entwickeln einen Mainstream.
Das bedeutet nicht, dass jede Gesellschaft zwangsläufig bei vollständiger #Uniformität endet. Schon Michels’ »ehernes Gesetz« wird in der #Forschung nicht als buchstäbliches #Naturgesetz behandelt; institutionelle Regeln, Konkurrenz und innerorganisatorischer Pluralismus können oligarchische Tendenzen begrenzen.
Dasselbe müsste für das eherne Gesetz der Gleichschaltung gelten: Es beschreibt keine Unausweichlichkeit, sondern eine Tendenz, gegen die ständig Gegenkräfte notwendig sind.
Vielfalt erhält sich nicht unbedingt von selbst.
Das wäre vielleicht die unangenehmste Pointe. Wir gehen gewöhnlich davon aus, dass #Freiheit automatisch Vielfalt hervorbringt. Vielleicht stimmt das nur für den Anfang. Danach beginnen #Auswahl, #Anpassung, #Nachahmung, #Bequemlichkeit, #Netzwerke, #Mehrheiten und #Machtverhältnisse ihr Werk.
Und irgendwann schauen alle auf das Ergebnis und sagen: Das ist eben der #Common #Sense.
#NOW #N #KWS #ROSA #OWL #GT #GGC #GOGREENCHALLENGE #VISITGÜTERSLOH #VISITGT #NIEWIEDERISTJETZT #MARIECHENMARKT
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