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#KWS #Lectures: Am Dunning Kruger Effekt leiden nicht die Betroffenen, sondern alle anderen – und in der Wirtschaft vor allem die Konkurrenz
#Gütersloh, 19. Dezember 2025
Der #Dunning #Kruger #Effekt gilt als #psychologisches #Kuriosum: Menschen mit geringer #Kompetenz überschätzen systematisch ihre Fähigkeiten. Meist wird er als individuelles Defizit verstanden – eine Art geistige Kurzsichtigkeit, die vor allem den Betroffenen selbst schadet.
Das ist falsch.
Am Dunning Kruger Effekt leiden nicht diejenigen, die ihm unterliegen. Sie leiden selten. Sie zweifeln nicht. Sie schlafen gut.
Leiden tun alle anderen. Und in der #Wirtschaft ganz besonders: die #Konkurrenz.
#Selbstüberschätzung ist kein Bug, sondern ein #Feature
Wer wenig weiß, weiß oft nicht, wie viel er nicht weiß. Das ist bekannt. Weniger bekannt – aber entscheidend – ist etwas anderes: Diese Unwissenheit erzeugt Handlungsfähigkeit.
Menschen mit Dunning Kruger Effekt entscheiden schnell, kommunizieren laut, versprechen viel, treten sicher auf.
Sie bremsen sich nicht durch Analyse, Abwägung oder Zweifel. Sie nennen das »Mut«, »Unternehmertum« oder »Leadership«. In »#PowerPoint« Folien sieht das hervorragend aus.
Wer hingegen kompetent ist, kennt #Unsicherheiten, #Nebenwirkungen, #Abhängigkeiten, #Risiken. Kompetenz produziert #Zögern. Und Zögern wirkt – in einer Welt, die Tempo mit Qualität verwechselt – wie Schwäche.
Märkte belohnen Auftreten, nicht Wahrheit
Besonders deutlich zeigt sich das dort, wo Wirkung wichtiger ist als Substanz im #Management, in der #Beratung, bei Start ups, in politiknahen Wirtschaftsbereichen. Kurz: überall dort, wo man mit #Narrativen arbeitet.
Die Konkurrenz – also jene, die rechnen, prüfen, nachdenken – steht plötzlich dumm da: weniger #Vision, weniger #Gewissheit, weniger #Buzzwords. Währenddessen marschiert der Selbstüberschätzer nach vorn, sammelt Kapital, Aufmerksamkeit und Marktanteile ein – nicht trotz, sondern wegen seiner #Inkompetenz.
Gütersloh: ein ideales Biotop
Und jetzt wird es lokal. Gütersloh ist bekannt für Ordnung, Effizienz, Prozesse, langfristiges Denken. Kurz: für eine #Kultur, in der man erst versteht und dann entscheidet.
Das ist bewundernswert.
Und es ist – im Dunning Kruger Zeitalter – ein Wettbewerbsnachteil.
Denn während man hier noch prüft, ob etwas belastbar, nachhaltig und seriös ist, ist anderswo schon jemand auf der Bühne und erklärt mit fester Stimme, warum er die Zukunft neu erfindet. Ohne Belege, aber mit Überzeugung.
Gütersloh fragt: »Stimmt das?«
Der Dunning Kruger Typ fragt: »Wie groß ist die Bühne?«
Der eigentliche Schaden: verzerrter Wettbewerb
Der Dunning Kruger Effekt wird gefährlich, weil seine Kosten externalisiert werden. Wenn es funktioniert kassieren die #Selbstsicheren, gelten als #Visionäre, schreiben »#LinkedIn« Posts über ihren »Mut«. Wenn es scheitert zahlen Mitarbeiter, zahlen Märkte, zahlen Steuerzahler, zahlen oft: die Vorsichtigen, die nicht laut genug waren.
Der Effekt ist kein individuelles Problem, sondern ein systemisches: Er sorgt dafür, dass nicht die Fähigsten gewinnen, sondern die Überzeugtesten.
#Kompetenz wirkt plötzlich wie #Unsicherheit
Das perfide Ergebnis: #Zweifel gilt als #Schwäche, #Vorsicht als Mutlosigkeit, #Differenzierung als #Unentschlossenheit. In einer solchen Kultur sind es nicht die Inkompetenten, die sich rechtfertigen müssen – sondern die Kompetenten.
Oder zugespitzt: Der Dunning Kruger Effekt erklärt nicht, warum schlechte Ideen existieren – sondern warum sie finanziert werden.
Der Dunning Kruger Effekt lässt sich nicht therapieren. Man kann ihn nicht »wegschulen«. Und man sollte nicht darauf hoffen, dass Wahrheit sich automatisch durchsetzt.
Was man tun kann: #Systeme bauen, die Zweifel belohnen, #Entscheidungsprozesse entschleunigen, #Lautstärke von Kompetenz trennen. Und vielleicht – ganz unironisch – ein bisschen mehr Gütersloh wagen: weniger Gewissheit, mehr Substanz.
Denn eines ist sicher: Nicht die Selbstüberschätzer ruinieren Märkte – sondern die Systeme, die sie für Führung halten.
Freilich sind Kompetente deshalb keine notorischen »Skeptiker«. Das darf man nicht verwechseln.
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